Sand steckt in Böden und Baustoffen gleichermaßen – und ist damit schlicht einer der Grundstoffe unserer Welt. Michaela Büsse und ihre Co-Autor*innen verfolgten seine Spuren durch verschiedene Regionen und Zeiten. In ihrem 2025 erschienenen Buch Granular Configurations dokumentieren sie landschaftliche Eingriffe, die mit der Betonherstellung, kapitalistischen Wirtschaftsweisen und der Expansion von Städten einhergehen. Dabei geht es auch um die Sprachbilder und Denkmuster, mit denen wir die kleinen Steinchen und die Umgestaltung von Räumen beschreiben.
Was genau ist eigentlich Sand? Und was ist kein Sand? Vermeintlich objektive Klassifizierungen und sprachliche Leitbilder nehmen einen zentralen Platz ein im Buch. Die Lesenden können nachverfolgen, wie Vorstellungen von Sand durch seine Verwertbarkeit in der Rohstoffindustrie geprägt sind. Dem setzt Katherine Dawson eine „Geopoesie“ entgegen, die die Steinchen sichtbar macht inmitten von Baupolitik, Immobilienwirtschaft und der Nutzbarmachung heutiger Stadtlandschaften. Die zahlreichen Verflechtungen verständlich zu machen, so zeigt sich beim Lesen der Essays, ist ein sprachliches Kunststück, das nicht immer gelingt.
Am Ende bleibt vor allem eines in Erinnerung: Der Sandabbau ist nicht nur schädlich, sondern untrennbar mit vielen scheinbar unkontrollierbaren, global stattfindenden Prozessen verbunden. Das stimmt wenig hoffnungsvoll. Die einschneidenden Bilder und Geschichten können jedoch auch dazu anstiften, sich vom Rohstoffabbau zu verabschieden.
Sicherheitshinweis:
K. Verlag (Anna-Sophie Springer)
Herzbergstr. 40-43 Neubau 6-10
10365 Berlin